{"id":267,"date":"2009-10-11T08:42:15","date_gmt":"2009-10-11T08:42:15","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wp\/?p=267"},"modified":"2012-02-29T08:43:55","modified_gmt":"2012-02-29T08:43:55","slug":"dr-elisabeth-nowak-thaller-lentos-kunstmuseum-linz-aus-der-eroffnungsrede-in-der-galerie-in-der-schmiede-pasching-8-10-2009-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.markushuber.at\/index.php\/dr-elisabeth-nowak-thaller-lentos-kunstmuseum-linz-aus-der-eroffnungsrede-in-der-galerie-in-der-schmiede-pasching-8-10-2009-2\/","title":{"rendered":"Dr Elisabeth Nowak-Thaller (Lentos Kunstmuseum Linz): Aus der er\u00f6ffnungsrede in der galerie in der schmiede, Pasching, 8.10.2009"},"content":{"rendered":"<p><em>Erkl\u00e4rung \u00fcber Erduntergang<\/em><\/p>\n<p><em>am 3. April 2053 infolge zusamenpral des Eiskomet mit Komet Bila, Hauptkomet, in unberechenbarer Ferne am westlichen Horizont, Sone, Mond, Sterne erbleichen, st\u00fcrzen senkrecht in endlose nacht.<\/em><br \/>\nOskar Herzberg, vor 1912<\/p>\n<p>Oskar Herzberg war Grafiker, Setzer, Dienstmann und Patient der Psychiatrie. Seine komplexen Weltuntergangs-Visions-Zeichnungen &#8211; stets kommentiert mit einer unsicheren Orthographie &#8211; sind derzeit in Admont in der Sammlung des Psychiaters Prinzhorn ausgestellt. Es ist Kunst die aus dem Herzen kommt. Kunst mit einer Vorliebe f\u00fcr Transzendentes. Wie auch die Kunst von Markus A. Huber<!--more--><\/p>\n<p>Der <em>Weltraum<\/em> ist Hauptthema von Markus Huber. Er ist Naturwissenschaftler, Facharzt f\u00fcr Chirurg und K\u00fcnstler. Seine stets in Serie entstandenen, komplexen Bilder sind von einer leidenschaftlichen Intensit\u00e4t. <em>Space forming<\/em> oder <em>non confundar<\/em> in aeternum (die letzte Zeile des Te Deums) nennt er seine grafisch strukturierten Werke die Energiefelder, Leerr\u00e4ume, kosmische Verstrickungen und Zusammenst\u00f6sse im Universum zeigen. Huber bietet uns einen fundierten, faszinierenden Blick in den Kosmos. Seine Kunst basiert auf physikalischen Erkenntnissen. Vor allem die Kosmologie, ein Teilgebiet der Physik und der Philosophie der Naturwissenschaften besch\u00e4ftigt den K\u00fcnstler. Seine Bilder erinnern an die kleinsten Strukturen des Universums: Asteroiden, Planeten, Staubpartikel, Molek\u00fcle, Atome, Elementarteilchen ziehen ihre unendlichen Bahnen auf Leinw\u00e4nden und handgeschr\u00f6pften Papieren. Es scheint als wolle der K\u00fcnstler die gesamte Quantenphysik: die <em>Andromeda Galaxie<\/em> oder das <em>Hubble Ultra Deep Field<\/em>, das bislang tiefste Bild das Universums, das 2003 bis 2004 aufgenommen wurde, k\u00fcnstlerisch neu entdecken und auf die Leinwand bannen.<\/p>\n<p>K\u00fcnstler haben generell tiefere Einblicke, sie sind Spurensucher, Seismographen, Erforscher und Aufzeiger ihrer Zeit.<\/p>\n<p>Das ph\u00e4nomenale <em>Hubble Field<\/em> enth\u00e4lt 10.000 Galaxien. Hubers Bilder enthalten mindestens 10.000 Linien mit schier endlosen Verschr\u00e4nkungen. Mit gro\u00dfer Intensit\u00e4t bem\u00e4chtigt sich der K\u00fcnstler der komplexen Materie. Mit zeichnerischer Ausdauer, Konzentration und h\u00f6chster Subtilit\u00e4t geht er ans Werk.<\/p>\n<p>\u201eSch\u00f6nheit aus Wehmut geboren\u201c so lautet der poetische Titel einer Werkserie aus 2006 oder die Bernstein-Folge, entstanden 2008, die in honigs\u00fc\u00dfen Farben in ihren Verdichtungen hintergr\u00fcndig die gro\u00dfe Leere birgt. Strahlendes Gelb, feuriges Rot oder himmlisches Blau verf\u00fchren, ebenso wie magisches Hell\/Dunkel oder die Haargespinsten gleichenden Linien, die auf nuanciertem Wei\u00df gleiten. Manche der extrem dreidimensional, reliefartig angelegten Grafiken auf strukturierten, gewellten Papieren verweisen direkt an ferne Kraterlandschaften.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick sind Hubers Arbeiten waghalsig und riskant, weil <em>gef\u00e4hrlich<\/em> sch\u00f6n, gekonnt, perfekt. Jeder Stich sitzt und das seit nahezu 16 Jahren. Alle Bilder und Serien haben ihren eigenen Ton, ihren poetischen Farbklang. Musikalische Kl\u00e4nge sind es auch, die Huber inspirieren. Ob Anton Bruckners Te Deum oder der 1935 in Estland geborene Komponist ARVO P\u00c4RT, der Luxemburger Camille Kerger bzw. der aus dem Burgenland stammende Geiger Bernd Gratwohl, auf ihre musikalischen Sch\u00f6pfungen reagiert Markus Anton Huber unmittelbar. Es gibt engste Verschr\u00e4nkungen und gegenseitige Beeinflussungen zwischen den Musikkompositionen und den Improvisationen auf Papier. Der Betrachter erliegt umgehend dem Zauber einer grandios beherrschten Farbe und eines virtuosen Strichs, und doch liegt es Huber ferne, dem Idyllischen nachzusp\u00fcren. Zu sorgf\u00e4ltig ist seine Technik, zu wissenschaftlich, zu elementar sein Bildthema. Die Suche nach der inneren Wahrhaftigkeit tritt vor rein Poetisches. Die Neigung des K\u00fcnstlers und Naturwissenschaftlers allen Dingen auf den Grund zu gehen, sie noch genauer, jedenfalls intuitiver, als das Weltraumobjektiv zu erfassen, f\u00fchrt zu immer neuen grafischen Herausforderungen.<\/p>\n<p>Hubers \u201ejanusgesichtige\u201c Bilder kommen aus dem Unterbewusstsein. Sie sind gezeichnete Emotion, zugleich grazil, zart und wissenschaftlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Natur, der Kosmos, ist, wie wir aus den <em>global-news<\/em> wissen, ebenso faszinierend wie unberechenbar. Naturkatastrophen weisen uns seit jeher in Grenzen, bremsen die Hybris des Menschen und Weltraumkatastrophen werden ohnedies seit Urzeiten prophezeit.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Mayas, eine der bedeutendsten Hochkulturen des pr\u00e4kolumbianischen Amerikas wird das Ende der Welt am<br \/>\n21. Dezember 2012 kommen. Die Mayas waren vollendete Astronomen. So gab es im &#8222;zeremoniellen&#8220; Bezirk bereits Tempel und T\u00fcrme, die der Planeten- und Sternbeobachtung dienten. Von diesen Observatorien wurden Sonnenuntergangspunkte anvisiert und Tag- bzw. Nachtgleichen, Sonnenwenden oder die Laufbahn der Venus mit verwunderlicher Genauigkeit ermittelt. Der Mondmonat wurde auf 23 Sekunden genau berechnet und exakte Kalender mit Schalttagen erstellt. Die Zeit und die Gestirne spielte f\u00fcr Aussaat und Ernte eine wichtige Rolle, Kriegsz\u00fcge, grausame Opferrituale und Hochzeiten wurden nach dem Kalender gefeiert.<\/p>\n<p>Die Kultur der Mayas hat ihren Untergang bereits hinter sich. Wir haben ihn vielleicht noch vor uns. 2012, durch ein kosmisches Ereignis, wie manche Esoteriker oder die Mayas behaupten ist das Ende der Welt angesetzt. Oder doch erst 2053, wie der eingangs zitierte \u201eIrre\u201c Oskar Herzberg detailliert prophezeite? Sind Hubers Bilder seismographische Vorboten? Wenn alle Geheimnisse gel\u00fcftet werden, wenn sich unser Wissen gegen die Natur wendet, ist der Untergang vorprogrammiert. Es sind dem menschlichen Gehirn entspringende, festgeschriebene Gedanken, die das Chaos, eine gef\u00e4hrliche Feuersbrunst ,ausgel\u00f6st von kryptischen Prophezeiungen, entfachen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Durch die revolution\u00e4ren Erkenntnisse der Quantenphysik ist Markus Anton Huber mit seinen raum- und zeit\u00fcbergreifenden Themen direkt am Puls der Zeit. Wie Thomas Ruff, Starfotograf, der k\u00fcrzlich in der Kunsthalle Wien seine kosmischen Fotografien der NASA-Raumsonde pr\u00e4sentierte. Ruff und Huber \u00a0setzen ihren Motiven keine Grenzen. &#8222;Die Fotografie kann nur die Oberfl\u00e4che der Dinge abbilden&#8220;, lautet das Diktum Ruffs. Hubers Arbeiten, basierend auf dem Spiel mit Ein- und Mehrdimensionalit\u00e4t, verbleiben nie an der Oberfl\u00e4che, sie gehen in die Tiefe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Huber ist den klassischen Bildmedien, der Malerei und Zeichnung verpflichtet. Er baut auf eine Tradition bedeutender aus Ober\u00f6sterreich stammender Zeichner. Alfred Kubin, Klemens Brosch oder Othmar Zechyr, komponierten ebenso Seelenlandschaften wie kosmische Visionen, gedichtete wie gezeichnete Untergangszenarien. Die \u201eandere Seite\u201c hat in Ober\u00f6sterreich Tradition, der suchende, oft verzweifelte Mensch am Sternenhimmel wird zum Symbol einer im rasanten Umbruch befindlichen Gesellschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Huber ist Vollblutzeichner und ein Druckgrafiker mit dem Hang\/Zwang zur Perfektion. Die Arbeit mit der Nadel liegt dem Arzt sichtlich im Blut. Waren es einst die Injektionen oder das Skalpell, die punktgenau gesetzt werden mussten, ist es nun der Haarpinsel, die Feder bzw. die Nadel, die \u00fcber die pr\u00e4parierte Kupferplatte oder die Leinwand mit rasender Energie gleitet. Huber, der Chirurg, schneidet nicht mehr in weiche Haut, er f\u00fcgt der unversehrten Leinwand Schnitte &#8211; Heilung &#8211; zu. Erhabene Stege, Vertiefungen, feinste Linien und Farbfelder verschmelzen intuitiv mit feinsinnigster Naturbeobachtung, verkn\u00e4ueln, verweben, l\u00f6sen sich, driften auseinander, werden dann wieder angezogen. Hubers Stift gleitet geradezu trance\u00e4hnlich, automatisch \u00fcber den Bilduntergrund, &#8211; unabh\u00e4ngig ob der Bildtr\u00e4ger eine Leinwand ist, oder B\u00fctten- oder Japanpapier.<\/p>\n<p>Der franz\u00f6sische Begriff <strong>\u00c9criture automatique<\/strong> (dt.: <strong>automatisches Schreiben<\/strong>, <strong>automatischer Text<\/strong>) erkl\u00e4rt Hubers Zeichenmethode am besten. Aus dem Innersten auftauchende Bilder, Gef\u00fchle oder Texte werden in meditativem Zustand unreflektiert wiedergegeben. Die Surrealisten propagierten diese schriftstellerische Form der Freien Assoziation als eine neue Form der Poesie und der Experimentellen Literatur. Andr\u00e9 Breton hat die \u00c9criture automatique als \u201eDenkdiktat ohne jede Kontrolle der Vernunft\u201c beschrieben, als Vorgang, bei dem das Schreiben oder Zeichnen dem Denken unzensiert folgt, ihm gleichsam hinterherl\u00e4uft. Der K\u00fcnstler schafft im D\u00e4mmerzustand, er ist sozusagen \u201eunbewusst\u201c oder \u201ean der Schwelle des Traums\u201c.<br \/>\nDas Zeichnen, das im Unbewussten startet, wird zur Lebenssubstanz, der grafische Gestaltungsprozesse in Serie f\u00fchrt zur \u201eBesessenheit\u201c, die Akribie wird zum Markenzeichen. Der Arzt entdeckt quasi in Trance oder in Musikmeditation neue Wahrnehmungswelten, erf\u00e4hrt Entgrenzungen von Zeit und Raum, beschreibt das \u201eAndere, das Nichtbenennbare\u201c.<\/p>\n<p><em>\u201eEs sind die inneren Zust\u00e4nde, die mich anziehen und faszinieren, das Getr\u00e4umte und Unsichtbare, die gro\u00dfe Kraft, die das Weltenrad antreibt und bewegt. (Die Kn\u00e4uel von Strichen und Linien ziehen sich nach diesen Kraftwirkungen und verfolgen die Bewegungen der Molek\u00fcle und Elementarteilchen auf ihren Beziehungsbahnen). Die Leinwand ist das abgeschlossene System, die Zeichnung ist die visualisierte Entropie in diesem System. Dahinter die konzentrierte Stille, die ewige Leere, die die F\u00fclle gebiert und in das Leben generiert. (Die Attraktion des Zeichnens liegt f\u00fcr mich paradoxerweise im Ungenannten, nicht in Begriffen Kommunizierbaren, im scheinbar Chaotischen.)\u201c\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Markus Anton Huber<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Elisabeth Nowak-Thaller,<\/strong> Ausz\u00fcge aus dem Manuskript anl\u00e4sslich der Rede in der Galerie in der Schmiede, Pasching am 9.10.2009<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erkl\u00e4rung \u00fcber Erduntergang am 3. 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